Gr

Autobahnzubringer Göttingen-Nord, vor uns setzt das Auto aus NOM den Blinker rechts und ist bald am Ziel. Wir nicht, wir sind auf dem Weg nach Süden, nach ROM.

***

Als der Flieger beschleunigt und den Bauch zusammendrückt, singt die grün-beschalte Sitzreihe hinter uns: “Ja wat denn, ja wat denn, ja wat denn, wat denn, wat denn?!”

***

Ich war auf St. Pauli, in Cottbus auch, aber so ein heruntergekommenes Stadion habe ich echt noch nicht gesehen. Für Spiele wurde es daher auch schon längst gesperrt. Dennoch, um einen Stadionpunkt zu sammeln, wollen wir hinein ins Colosseo.

Colosseo

In der Warteschlange am Eingang diskutieren andere Werder-Fans, wen man heutzutage gerne in der Arena gegen Löwen kämpfen sehen würde. “Kuranyi. Auf jeden Fall den Kuranyi!” Sein Kollege ergänzt “Vor mir aus auch den Vranjes!” und erntet zustimmendes Kopfnicken …

***

Die Eingangskontrollen am Petersdom sind strenger als an so manchem Bundesligastadion. Auch passen mit 60.000 deutlich mehr Anhänger hinein als ins Weserstadion.

Petersdom

***

“Der Polizeichef von Roma heißt die deutschen Fans willkommen und wünscht allen Fans einen erfreulichen und angenehmen Aufenthalt in der Hauptstadt. Ein Transport Service wird arrangiert um den Zugang zum Stadio Olimpico zu erleichtern. Dieser Service wird von der Villa Borghese – P.le delle Canestre angeboten, wo ein öffentlicher Shuttlebus und privat Büsse um 17:00 abfahren.”

***

Die Lazio-Anhänger zählen zu den unangenehmsten in Europa, vielleicht sind es sogar die unangenehmsten. “Irriducibili” nennt sich der harte Kern, die Unbeugsamen. “Lazio Rom ist so etwas wie der rechtsradikale Cousin der traditionell linken AS Roma” heißt es in einem stern.de-Beitrag vom Dienstag. Während des Stadtderbys 1999 halten die Lazio-Fans denen der Roma ein Plakat entgegen: “Auschwitz ist eure Heimat, die Öfen euer Zuhause”.

Es ist etwas anderes, in München zusammen mit Bayern-Fans gemeinsam in der S-Bahn zur Allianz-Arena zu fahren oder in Hamburg mit denen des HSV durch den Volkspark zu laufen. Und so bin ich nicht ganz unglücklich über die Tatsache, mich fast vier Stunden vor Anpfiff an einer Verkehrsinsel in dem zweitgrößten Park Roms zu versammeln. An lauwarmen Sommerabenden muss es hier wunderschön sein. Heute, Anfang November, wird es um diese Zeit bereits dunkel, gedimmtes Licht für den Auftritt der Blaulichter der Carabinieri. Der Busfahrer eines vorbeirauschenden italienischen Reisebusses zeigt uns den Mittelfinger.

***

Wenn der Poizeichef von Roma sagt, die Abfahrt der privaten Büsse ist um 17:00 Uhr, dann ist die Abfahrt der privaten Büsse auch um 18:00 Uhr. Schließlich ist es für den Polizeichef von Roma auch ein schwieriges Unterfangen, sechs (6!) Büsse auf einmal an einen Treffpunkt zu bringen.

Es ist gewissermaßen ein Privileg, welches wir dann genießen dürfen. Mit Vollgas fliegen wir in der Eskorte durch die Straßen Roms. Der Rote-Ampel-blindeste römische Rollerfahrer dürfte solch einen Verkehrsfluss in seiner Stadt noch nicht erlebt haben. Polizeimotorräder rasen immer wieder nach vorne, um für uns andere Straßen zu stoppen. Passanten bleiben stehen und sehen von Blaulichtern getrennte singende und hüpfende grün-weiße Büsse vorbeiziehen. Das eigene Gefühl ist nicht genau einzuordnen – Gäste oder Gefangene?

***

Natürlich sind die Italiener glühende Formel 1-Fans. Und so öffnen sich die Bustüren in einer Art Parc Fermé, umgeben von hohen Zäunen und Mauern stehen wir direkt vor dem Gästeeingang. Einen Außen-Eindruck vom Stadion bekommt man nicht, einen Spielschal schon gar nicht.

An der Einlasskontrolle nimmt mir ein italienischer Ordner zwei Stifte ab. Als ich ihn nach dem Grund frage, beginnt er ein stammliges “In Italy…” und schickt mich weiter …

***

Vor 17 Jahren saß ich mit meinem Vatter vor dem Fernseher, als wir in diesem Stadion Weltmeister wurden …

Stadio Olimpico

… jetzt stehen wird drin.

Stadio Olimpico II

Ein Champions-League-Spiel gab es dann wohl auch noch …

***

Kurz nach Mitternacht breite ich meine Werder-Fahne aus und lege mich auf sie in der Wartehalle des Flughafen Ciampino. Bis zum Abflug dauert es noch ein wenig. Bis dahin versuche ich ein wenig zu träumen, denn: Viele Wege führen nach Rom und vielleicht doch noch einer ins Achtelfinale …

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s